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Logen-Coach Herrlich sieht Augsburg-Fehlstart

Augsburg – Wie Heiko Herrlich den Nachmittag als Logen-Gast erlebte, ist nicht überliefert. Der Ärger über sein schusseliges Quarantäne-Malheur aber dürfte beim Trainer des FC Augsburg nach der 1:2 (0:1)-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg im leeren Stadion nicht kleiner geworden sein.

«Das war für uns alle keine einfache und schöne Situation», sagte Manager Stefan Reuter zur Abwesenheit des Coaches, der sich wegen Verletzung der Quarantäne-Regeln vor dem Bundesliga-Neustart selbst für Samstag aus der Partie genommen hatte. Torhüter Andreas Luthe wurde deutlicher: «Es war nicht einfach, dass der Cheftrainer nicht dabei sein kann, das ist natürlich scheiße.»

Während am ersten Profifußball-Wochenende in Deutschland das Fehlen der tausenden Fans in den Stadien im Fokus stand, kam bei den Schwaben noch eine ganz spezielle Einzel-Abwesenheit dazu. Ob der FCA mit Herrlich an der Seitenauslinie zumindest einen Punkt im Kampf gegen den Abstieg geholt hätte, lässt sich natürlich nicht sagen. In diesem so sonderbaren Frühjahr nach der Corona-Pause aber hoffen die Augsburger, künftig keine zusätzlichen Ablenkungen mehr zu erleben.

«Wir sind alle froh, wenn er nächste Woche dabei ist», sagte Abwehrspieler Philipp Max über Herrlich, der in der Vorwoche die Isolation im Teamhotel gebrochen hatten und wegen fehlender Zahnpasta und Hautcreme in einen Supermarkt spaziert war. «Der Trainer hat eingesehen, dass es natürlich nicht optimal war», berichtete Max.

Herrlich, brisanterweise selbst Risikopatient wegen einer früheren Tumorerkrankung, will erst nach zwei negativen Corona-Befunden wieder zur Mannschaft zurückkehren. Der erste Test brachte bereits das gewünschte Ergebnis, ein zweiter sollte laut Reuter «sehr zeitnah» erfolgen. Der Manager berichtete, dass sein Trainer gegen Wolfsburg laut Regularien auf der Tribüne hätte sitzen und dabei sogar auf das Spiel Einfluss nehmen dürfen. «Aber das hätte sehr viel Unruhe gebracht», sagte Reuter. Also entschied man sich dagegen.

So sah Herrlich in einer FCA-Loge das erste Geisterspiel der Schwaben – ohne Happy End. Wolfsburgs Joker Daniel Ginczek (90.+1 Minute) ließ den Europapokalanwärter aus Niedersachsen spät und verdient jubeln; zuvor hatten Renato Steffen (43.) für den VfL und Tin Jedvaj (54.) für den FCA getroffen. Anders als Quarantäne-Brecher Herrlich hielten sich die Wolfsburger nach dem späten Siegtreffer übrigens an die Hygiene-Etikette und verzichteten auf ausgelassenem Jubel.

«Ich habe kurz die Coaching-Zone verlassen, weil ich mich so gefreut habe. Dann ist mir schnell eingefallen: Upps, wieder zurück und ja nicht jemandem zu nahe kommen», erzählte VfL-Coach Oliver Glasner. Man müsse sich aktuell eben disziplinieren, auch beim Jubel. «Deshalb denke ich, haben wir auch das sehr ordentlich über die Bühne gebracht.»

Für die Augsburger geht es nun darum, auch die restliche Saison ordentlich über die Bühne zu bringen – ohne Fauxpas und mit genug Punkten, um nicht abzusteigen. «Das heute war der Auftakt nach einer sehr schweren Phase und hat noch nicht viel zu sagen», meinte Max. «Wir waren heute als Mannschaft auf dem Platz, die zweite Hälfte war richtig gut. Das macht Mut.»

Fotocredits: Tobias Hase
(dpa)

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