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Eintracht Braunschweig – Kultverein und Pionier der Trikotwerbung. Ein Porträt

Es war der 24. März 1973, als eine Wolfenbüttler Likörfabrik in die Geschichte der Bundesliga einging. Eintracht Braunschweig, damals gesponsert von Jägermeister, lief als erste deutsche Fußballmannschaft mit Trikotwerbung auf. Allerdings mussten die Niedersachsen tricksen, denn der DFB verbot derlei Reklame. Eintracht übernahm deshalb das Firmenlogo als Vereinswappen übernahm und konnte so „legal“ werben.

Das war zugleich der erste große Auftritt des Unternehmers Günter Mast, 1972 bis 1985 Sponsor und 1983 bis 1985 auch Präsident der Eintracht. Sein publikumswirksamer Dauerstreit mit dem DFB – er wollte die Mannschaft in „Jägermeister Braunschweig“ umbenennen lassen – verschaffte seinen Produkten im ganzen Land werbewirksame Schlagzeilen.

„Ich trinke Jägermeister, weil 49 Tor reichten!“ 1967 wurde Eintracht Braunschweig deutscher Meister, erzielte dabei nur 49 Tore, was bis heute negativer Bundesligarekord für einen Champion ist. Torhüter Horst Wolter dirigierte damals eine Betonabwehr, die nur 27 Gegentore zuließ und die Hälfte aller Partien zu null spielte.

Dem Gründungsmitglied der Bundesliga gelang nach dem ersten Abstieg 1973 der sofortige Wiederaufstieg. Die folgenden Jahre wurden zur zweiten Glanzzeit der Mannschaft, die damals von Branko Zebec trainiert wurde. Auffälligste Spieler waren Torwart Bernd Franke und der jugoslawische Flügelstürmer Danilo Popivoda. Ein weiterer Coup gelang den Blau-Gelben, als sie 1977 Paul Breitner von Real Madrid loseisen konnten.

Seit 1985 pendeln die Niedersachsen zwischen 2. Liga und Regionalliga. In der vergangenen Saison schafften sie am letzten Spieltag die Qualifikation für die neue 3. Liga. Derzeit liegt die Eintracht im Mittelfeld der Tabelle, weit entfernt von den Aufstiegsfavoriten SC Paderborn und Union Berlin. Längst hat der ungeliebte Nachbar VfL Wolfsburg, der 1997 in die Bundesliga aufstieg und nun mächtig investiert, den Blau-Gelben sportlich den Rang abgelaufen. Doch bei einem Freundschaftsspiel von Borussia Dortmund in Braunschweig prophezeite Trainer Jürgen Klopp: „Eigentlich ist die Eintracht ein großer Klub mit toller Tradition, die dritte Liga darf nur eine Zwischenstation sein.“

Nachbemerkung: Das erste Bundesligaspiel, das ich live im Stadion sah, war am 19. Januar 1975 die Partie Eintracht Braunschweig gegen Borussia Mönchengladbach (1:3). Dass mein damals noch kindliches Herz fortan nicht für die Blau-Gelben schlug, lag an einem Dänen namens Allan Simonsen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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