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Voetbal totaal – Oranje besser als Champagner

Ade les Bleus, ciao Italia – die Niederländer haben die WM-Finalisten von 2006 vom Platz gefegt. Dem 3:0 gegen Italien folgte ein 4:1 (1:0) gegen Frankreich. Sind diese Oranjes überhaupt zu besiegen?

Alles eine Frage der Aufstellung: Während die meisten Teams mit zwei „Sechsern“ zunächst die Defensive betonen, vertraut der Bondscoach Marco van Basten seinen Konter-Künstlern. Die flinken und angriffslustigen Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart ergänzte van Basten in der zweiten Halbzeit gegen die Equipe Tricolore noch mit Arjen Robben und Robin van Persie. Bis auf den Hamburger trafen sie alle, und auch van der Vaart kurbelte mächtig das Spiel an. Nur Nigel de Jong sicherte im Mittelfeld nach hinten ab. Da auch noch der Stürmer Dirk Kuyt einköpfte, brauchte es gestern gar keinen Treffer von Torjäger Ruud van Nistelrooy.

Wer also gegen die Elftal gewinnen will, muss schon drei oder vier Tore schießen. Das allerdings erscheint nicht unmöglich. Das Prunkstück der Niederländer ist die Abwehr so gar nicht. Die Verteidiger Andre Ooijer, Khalid Boulahrouz und Joris Mathijsen wirkten eher hölzern und ließen Franck Ribéry eifrig wirbeln, jedoch an Torhüter Edwin van der Sar scheitern, der krakenartig und blitzschnell Arme und Beine ausfuhr.

Van Basten hat viel Kritik einstecken müssen, weil er vom heiligen 4-3-3-System abgewichen ist. Vor allem „König“ Johann Cruyff witterte Verrat an der niederländischen Fußballphilosophie. Zu Unrecht, die Elftal spielt offensiv wie eh und je, ist jedoch schwerer auszurechnen geschweige denn aufzuhalten: Im System van Bastens ist van Nistelrooy in vorderster Front stets anspielbar, über die Außen rücken van Bronckhorst, Robben oder van Persie mit wahnsinnigem Tempo nach und reißen so die Flügel auf. „Wir sind sehr glücklich“, sagte van Basten nach dem Spektakel von Bern, „wenn du erst Italien und dann Frankreich schlägst, und dann noch mit solchen Resultaten, kannst du nur äußerst zufrieden sein.“

Die Elftal ist nicht nur lebensfroher Gruppensieger in der „Todesgruppe“ C, besser noch, das Team kann sich den Halbfinalgegner quasi aussuchen. Da der stets hochgewettete Mitfavorit Spanien bei Turnieren mit erstaunlicher Konstanz spätestens im Viertelfinale ausscheidet, diesmal gegen den Zweiten aus C, treffen die Niederländer im Halbfinale, das Viertelfinale setzte ich mal oranjeäugig voraus, wieder auf den Kontrahenten aus der eigenen Gruppe. Ließen sie im letzten Gruppenspiel am Dienstag Rumänien gewinnen, wäre dies Rumänien. Eine verlockende Aussicht, Frankreich und Italien so zu eliminieren, aber bei den fulminanten Auftrittten der Oranjes scheint dies undenkbar. Und ich käme um mein klingelndes Fahrradkorso über den Kurfürstendamm – gestern nicht nur im Oranje-Shirt, sondern auch in hellblauen Socken.