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Völler-Zorn über Falschmeldung zu Bayer-Coach Schmidt

Leverkusen – Rudi Völler war völlig außer sich. «Einfach etwas zu erfinden, etwas Verlogenes zu erzählen, dass der Trainer morgens vom Gesellschafterausschuss entlassen worden wäre, das ist ein starkes Stück», schimpfte der Sportdirektor von Bayer Leverkusen.

«Wir waren geschockt, weil es Schwachsinn ist», sagte Völler nach dem 3:0 im Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt über eine Meldung des Pay-TV-Senders Sky kurz vor dem Anpfiff. Als Reaktion auf den Eklat über den angeblich besiegelten Rauswurf von Chefcoach Roger Schmidt verweigerte die Bayer-Führung dem Fernsehsender vor Anpfiff die üblichen Interviews und forderte eine offizielle Entschuldigung.

«Wir haben einen Fehler gemacht und haben uns bereits im Stadion unmittelbar nach der Partie entschuldigt», sagte Sky-Pressesprecher Ralph Fürther auf dpa-Anfrage. Außerdem sollten am Sonntag Entschuldigungsschreiben an Bayer-Geschäftsführer Michael Schade und Völler verschickt werden.

Die Empörung wäre beim kriselnden Fußball-Werksclub wohl viel größer gewesen, wenn nicht der Befreiungsschlag gegen den Liga-Dritten aus Frankfurt gelungen wäre. «Wir freuen uns über den Sieg in schwieriger Situation», kommentierte Schmidt den Wirbel gelassen. «Ich habe es am Rande wahrgenommen. Man hat mir nur gesagt, ich brauche nicht zum Interview gehen, doch das hat mich auch nicht interessiert.» 

Nach zwei Niederlagen in diesem Jahr und dem drohenden Verpassen des Europacup-Ziels stand der 49-Jährige stark unter Druck und war seit Tagen mit Spekulationen um seine Entlassung konfrontiert. «Ich habe mich die ganze Woche nicht mit mir oder dem beschäftigt, was zu dem Thema gehört», versicherte Schmidt.

Nach dem glanzvollen Sieg gegen die Eintracht durch einen Doppelpack des wiedererstarkten Torjägers Javier «Chicharito» Hernandez (5./63. Minute) und Kevin Volland (78.) ließ er aber durchblicken, es wieder entspannter haben zu wollen. «Es ist nicht so, dass ich mir gewünscht habe, wie es in der vergangenen Woche gewesen ist», sagte Schmidt. «Ich würde auch gern mal wieder in die Zeitung gucken.» Nun hoffe er, dass «wieder bessere Tage kommen».

Der gute Auftritt, bei dem man in der zweiten Halbzeit wieder den gelobten Tempofußball á la Leverkusen inklusive konsequenter Balleroberung erleben konnte, stärkt die Hoffnung. «Es gab eine Menge Druck wegen der Tabellensituation, doch die Mannschaft hat von der Position eins bis 14 ein super Spiel gemacht», meinte Nationaltorwart Bernd Leno, der wie seine Kollegen vom Wirbel vor der Partie nichts mitbekommen haben will: «Ich bin nach dem Aufwärmen nicht gleich zum Handy gelaufen. In der Mannschaft war das kein Thema.»

Dafür war am Ende die Erleichterung groß. «Für das Selbstwertgefühl war das sehr wichtig. Man hat gesehen, dass wir unbedingt aus dem Loch raus wollten», sagte «Sechser» Kevin Kampl. Sportchef Völler hatte Verständnis für die Freude der Spieler, sieht das 3:0 aber nur als einen Schritt zur Besserung: «Nur weil wir wieder einmal gewonnen haben, werden jetzt keine Champagner-Flaschen aufgemacht.»

Lob bekam Bayer 04 und Coach Schmidt von Eintracht-Trainer Niko Kovac, der nach der Niederlage keine Ausflüchte machte. «Roger hat eine richtig gute Mannschaft», meinte er. «Wir sind noch kein Spitzenteam. Das sind der FC Bayern, der BVB und Bayer 04.» Er mache seiner Mannschaft keinen Vorwurf nach einer Englischen Woche und dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals. «Abhaken, vergessen», befahl Kovac.

Fotocredits: Guido Kirchner
(dpa)