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Union Berlin will in die Zweite Bundesliga aufsteigen. Porträt eines ungewöhnlichen Vereins

Wenn das Prädikat Kultverein auf einen Verein zutrifft, dann auf Union Berlin, den einst proletarischen Gegenentwurf zum BFC Dynamo, dem Lieblingsklub von Stasi-Chef Erich Mielke. Nina Hagen singt die Vereinshymne „Eisern Union“, die Fans packen mit an bei der Sanierung der Alten Försterei, dem Stadion von Union Berlin. Der Drittligist aus dem Berliner Bezirk Köpenick steht derzeit auf einem Aufstiegsplatz und will in der nächsten Saison in der Zweiten Bundesliga spielen. Die sportliche Bilanz stimmt, fünf Gründe sprechen für den Aufstieg.

Jan Glinker ist mit nur 15 Gegentoren der beste Torwart der 3. Liga. Karim Benyamina führt gemeinsam mit Paderborns Frank Löning und Unterhachings Anton Fink die Torjäger-Liste mit 10 Treffern an. Union hat die beste Tordifferenz (+18) vor Paderborn (+17) und Düsseldorf (+12). Die Eisernen sind die stärkste Heimmannschaft, obwohl sie in den ungeliebten Jahnsportpark umziehen mussten, weil die Alte Försterei gerade saniert wird. Und Union hat in dieser Saison nur zwei Spiele verloren. Fünf gute Gründe also, dass es klappen könnte mit dem Aufstieg.

So rosig sah es bei den Eisernen nicht immer aus, wie ein Blick in die Historie zeigt. Union Berlin wurde 1966 gegründet, basierte jedoch auf dem bereits 1906 entstanden SC Olympia 06 Oberschöneweide. Protegiert in Berlin wurde jedoch der Stasi-affine BFC Dynamo, der in der Folge zehnmal DDR-Meister wurde, wobei manch kuriose Entscheidung der Schiedsrichter nachgeholfen haben soll. Den größten Erfolg zu DDR-Zeiten feierte Union 1968 mit dem Gewinn des FDGB-Pokals.

Nach der Wende qualifizierte sich Union zwar 1993 und 1994 sportlich für die 2. Liga, doch der Deutsche Fußball-Bund verweigerte die Lizenz, zunächst wegen einer gefälschten Bankbürgschaft, in Jahr danach war der Schuldenberg allzu hoch. Ständige Trainerwechsel ließen keine Ruhe aufkommen, der Verein war beinahe bankrott. Erst 1998 brachte das wirtschaftliche Engagement von Michael Kölmel und seiner Firma Kinowelt die finanzielle Rettung. Zudem durften die Union-Fans einen prominenten Neuzugang begrüßen: Nina Hagen sang die neue Vereinshymne.

2001 stieg der Verein aus der Regionalliga Nord in die Zweite Bundesliga auf und erreichte mit einem 6:4-Sieg nach Elfmeterschießen im Halbfinale des DFB-Pokals über Borussia Mönchengladbach das Finale, unterlag dort jedoch dem „Meister der Herzen“ Schalke 04 mit 0:2. Da Schalke 04 als Vize-Meister für die Champions League startberechtigt war, durfte Union erstmals im Uefa-Pokal spielen, als erster und bisher einziger deutscher Drittligist. Die Köpenicker erreichten durch ein 1:1 und einen 3:0-Sieg gegen den finnischen Vertreter Haka Valkeakoski sogar die zweite Runde, bevor das europäische Abenteuer endete.

In der Dritten Bundesliga steht Union auf Rang zwei hinter dem SC Paderborn. Und dass, obwohl der Verein seine Heimspiele wegen der Sanierung der Alten Försterei im ungeliebten Jahnsportpark austrägt, was für die Anhänger gefühlte Auswärtsspiele sind. Damit diese Zeiten bald vorbei sind, legen die Fans mit Hand an, selbst bei sibirischen Temperaturen kommen sie jeden Morgen zur Baustelle in der Wuhlheide: „Das ist Leidenschaft und Einsatz – unglaublich!“ zeigte sich Unions Sportdirektor Christian Beeck beeindruckt.

Nach der Winterpause tritt Union am 7. Februar beim VfB Stuttgart II an, am 15. Februar empfängt das Team von Trainer Uwe Neuhaus Kickers Offenbach.