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Stürmernot im Abstiegskampf ein Knackpunkt

Hamburg/Wolfsburg – Kein Tor, kein Punkt und nur einen Grund zu vagem Optimismus.

Nach den teilweise desaströsen Auftritten verbindet den Hamburger SV, den VfL Wolfsburg und Mainz 05 im Abstiegskampf der längst erloschene Glaube an die eigene Stärke, aber auch die leise Hoffnung, dass nach dem 34. Spieltag am 12. Mai wenigstens zwei Teams noch schlechter sein werden. Ein Knackpunkt der Krisen-Clubs: Einen verlässlichen Torschützen als Lebensversicherung im Saisonschlussspurt haben sie alle nicht.

Besonders frappierend ist die Harmlosigkeit beim Hamburger SV. Ganze zwei Treffer gelangen ihm erst in diesem Jahr. Seit drei Spielen gab es überhaupt kein Tor mehr – und am schlimmsten: Ein Stürmer, der die Wende bringen könnte, ist nicht in Sicht. Bobby Wood (1 Tor) außer Form, Jan-Fiete Arp (2 Tore) zu jung und Sven Schipplock noch gänzlich torlos. Da muss sich etwas ändern, soll das Wunder Klassenerhalt, an das momentan niemand mehr glaubt, noch gelingen. Mit 18 Toren hat der HSV weniger Treffer auf dem Konto als Robert Lewandowski (23) für den FC Bayern (65) allein erzielt hat.

HSV-Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos formulierte nach dem 0:6 beim FC Bayern München vielsagend: «Jede Mannschaft hat in der Winterpause neue Spieler bekommen, nur wir nicht.» Der Grieche trifft damit den Punkt. Die Konkurrenz bemühte sich im Transferfenster gezielt um Veränderungen in der Abteilung Attacke. Der VfB Stuttgart befreite sich auch durch vier Tore von Wintereinkauf Mario Gomez aus der Gefahrenzone – Treffer die dem VfL Wolfsburg, dem Ex-Club des Nationalstürmers, bitter fehlen.

Der 1. FC Köln hat überhaupt nur noch ein minimale Chance, weil Simon Terodde, der im Winter vom VfB kam, mit seinen Toren zu Rückrundenbeginn für ein Zwischenhoch sorgte. Wie dramatisch der Absturz sein kann, wenn es ganz vorne plötzlich fehlt, symbolisieren die Kölner, die den Millionen-Transfer von Anthony Modeste (25 Tore) nach China in dieser Saison nicht kompensieren konnten und aus der Europacup-Zone direkt in den Abstiegssumpf sackten.

Das Muster ist immer gleich: Hat ein Verein einen starken Knipser, ist der Weg aus dem Keller möglich. Werder Bremen sammelte schon im Herbst wichtige Punkte, als Max Kruse von seiner Verletzung zurückkehrte und fünf Mal traf. Weitere Beispiele: Nils Petersen hält den SC Freiburg mit zwölf Toren praktisch alleine auf Kurs. Der FC Augsburg kann sich glücklich schätzen, dass nach der Verletzung von Alfred Finnbogason (11) auf Michael Gregoritsch (11), Doppel-Torschütze beim 3:1 in Hannover, Verlass ist.

Die Mainzer zeigten gegen Schalke (0:1) durchaus gute Ansätze, hatten gar 16:6 Torschüsse – doch Punkte gab es keine. «Uns fehlt einfach das letzte Quäntchen», sagte FSV-Sportvorstand Rouven Schröder. Der beste Torschütze Muto (7) trifft seit Januar nicht mehr. Ersatzmann Emil Berggren (4) ist krank.

Bruno Labbadia, einst selbst ein Torgarant und zuletzt Trainer-Experte im Abstiegskampf, wünschte sich nach dem 0:3 in Hoffenheim von seinen technisch versierten Wolfsburg-Stars mehr Robustheit. «Das Problem dieser Mannschaft ist, dass viele Spieler über das Fußballspielen kommen. Da kann man jetzt nicht anfangen rumzugrätschen.»

Tatsächlich fehlt dem VfL aber auch ein verlässlicher Goalgetter. Die potenziellen Kandidaten, Daniel Didavi, Yunus Malli und Divock Origi trafen alle in diesem Jahr erst einmal. Letztlich brachte das vier Punkte. Drei weniger, als Gomez allein dem VfB mit seinen Toren bescherte und zu wenig, um sich aus dem Tabellenkeller zu schießen.

Fotocredits: Guido Kirchner
(dpa)