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Oranje trägt Trauer: Niederlande – Russland 1:3

Zauberfußball in der Vorrunde, flügellahm und platt im Viertelfinale: Die niederländische Herrlichkeit in Europa dauerte keine zwei Wochen und hat wieder einmal für die vorzeitige Abreise bei einem großen Turnier gesorgt. Drei Spiele lang hatte die „Elftal“ nacheinander den Weltmeister Italien, den Vize-Weltmeister Frankreich und Rumänien mit Traumfußball an die Wand gespielt. Mit dem modernen 4-2-3-1-System, „voetbal totaal“ – bis die Russen kamen.

Die „Sbornaja“, pikanterweise gecoacht vom Niederländer Guus Hiddink, schlug das Team von Bondscoach Marco van Basten mit einer Mischung aus moderner Taktik (4-1-3-2) und einer einfachen Erfolgsformel: Totale Fitness, im Gegensatz zu den ausgepumpt wirkenden Niederländern, die in der Verlängerung geradezu untergingen.

„Wir haben alles gegeben, was wir konnten“, sagte ein strahlender Andrej Arschawin, der mit dem dritten Tor für die Russen den Oranje-K.o. besiegelte. „Unser Trainer hat vor der Verlängerung gesagt, dass die Holländer jetzt aggressiv zur Sache gehen werden. Es hat sich dann aber herausgestellt, dass ihnen früher als uns die Puste ausging.“ Van Basten gestand die körperlichen Probleme ein: „Wir hatten physische Probleme. Meine Spieler hatten einfach keine Kondition mehr.“

Umso erstaunlicher, weil die Stammelf nach dem 4:1-Triumph über Frankreich acht Tage spielfrei hatte. Im letzten Gruppenspiel gegen Rumänien hatte van Basten nur die Reserve aufgeboten worden. Das Team agierte erschreckend flügellahm. Dirk Kuyt war ein Totalausfall, Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart blieben ebenso wirkungslos wie der nach der Pause eingewechselte Robin van Persie.

Die gefährlichsten Situationen entstanden nach Freistößen. Ruud van Nistelrooy verfehlte eine Hereingabe nur um eine Fußspitze (29.), brachte aber mit seinem Kopfball-Tor nach Sneijder-Freistoß seine Elf noch in die Verlängerung (86.). Dann ging bei Oranje gar nichts mehr.

Vor allem Innenverteidiger Andre Oijer und der eingewechselte John Heitinga waren körperlich überhaupt nicht mehr auf der Höhe und waren beim 1:2 durch Dmitri Torbinski (112.) und dem 1:3 durch Arschawin (116.) nur Statisten. „Wir waren dominant und physisch und taktisch überlegen“, analysierte Hiddink. Auch vom späten Ausgleich ließen sich die Russen nicht verunsichern. „Großes Kompliment auch in taktischer Hinsicht an das Team. Normalerweise bist du angeschlagen, wenn du ein so spätes Gegentor bekommst, lobte Hiddink seine „Sbornaja“. Van der Vaart hatte bereits nach den Zauber-Siegen gegen Italien und Frankreich gewarnt: „Das ist alles nichts wert, wenn man im Viertelfinale ausscheidet.“ Was damit bewiesen wäre.