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Oliver Kahn: respektiert, aber nicht geliebt

Gestern stand Oliver Kahn zum letzten Mal in der Bundesliga im Tor, zahlreich sind seine Erfolge: Acht deutsche Meisterschaften hat er mit Bayern München gewonnen, dazu sechsmal den DFB-Pokal, 2001 die Champions League, mit der Nationalmannschaft wurde Kahn 2002 WM-Zweiter, dreimal zum Welttorhüter gekürt.

 

Der passionierte Golfer und Buchautor (egomanischer Titel: ICH. Erfolg kommt von innen) hat dabei mehr Respekt denn Sympathien gewonnen, weil ihm die Leichtigkeit fehlte, er stets Aggressivität und Ehrgeiz, gar Verbissenheit verkörperte. Sein früherer Konkurrent beim Karlsruher SC, Alexander Famulla, sagte mal halb im Spaß, aber durchaus mit etwas Wahrheit: „Ich wollte mit Oliver nie das Zimmer im Trainingslager teilen. Ich hatte Angst, dass er mich im Schlaf mit dem Kopfkissen ersticken würde.“

Legendär sind Kahns Ausraster: Er schüttelte seinen Mitspieler Andreas Herzog durch, versuchte Borussia Dortmunds Heiko Herrlich ins Ohr zu beißen, sprang im gleichen Spiel Stéphane Chapuisat in Karate-Pose entgegen, faustete 2001 gegen Hansa Rostock einen Ball ins gegnerische Tor, um nur einige Beispiele zu nennen. Darum war es wohl so überraschend, dass Kahn auch Sportsgeist zeigen konnte, etwa als er seinem Rivalen Jens Lehmann Glück wünschte vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale der WM 2006 gegen Argentinien. Ein Wunder, dass ihn niemand für den Friedensnobelpreis vorschlug.

Nun tritt er ab, Weltmeister Bodo Illgner sagte dem Tagesspiegel: „Sein Abschied wird eine große Lücke in der Bundesliga hinterlassen. Allein sein Blick in den luftleeren Raum bei Interviews ist legendär.“ WDR-Reporter Manni Breuckmann lästerte heute im DSF-Doppelpass über Kahns Altersmilde, die er in dieser Saison zeigte: „Erwarte stündlich seinen Übergang zum Buddhismus.“

Alles ist Kahns Leben ist Arbeit, Druck, Kampf. In der Zeit sinnierte der Titan vor seinem letzten Bundesligaspiel: „Einerseits ist es ja wunderbar, dass dieses ‚Jedes Jahr Meister werden müssen‘ bald von mir abfällt. Das war wie so ein Riesenklotz, der mir drauflag. Aber die Leere, die dann kommt, die muss ich aushalten lernen. In der Leere findet der Mensch zu sich selbst – und nicht, wenn er vor ihr davonläuft und sie mit falschen Dingen füllt. Mit Alkohol, Drogen Frauen.“ Die Süddeutsche Zeitung kontert diese bleischwere Aussage mit einem Zitat der nordirischen Fußballlegende George Best, der 2005 starb: „I spent a lot of my money on booze, birds and fast cars. The rest I just squandered.“