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Nervenspiele: VfB-Trainer Willig holt sich Tipps von Stevens

Gelsenkirchen – Nico Willig wirkte nervös, richtig ehrfürchtig. Er saß auf dem Podium neben dem großen Huub Stevens und wollte seine Verehrung nicht verbergen.

«Vielleicht kann ich mir gleich noch einen Tipp von ihm holen, wie man seine Mannschaft vor dem Abstieg bewahrt», sagte der Trainer des VfB Stuttgart nach dem 0:0 beim FC Schalke 04: «Er ist für mich ein großes Vorbild.»

Die Rettung mit Schalke hat der 65 Jahre alte Stevens bereits vor dem letzten Saisonspiel geschafft. Den VfB, der noch in die Relegation muss, hatte er in seiner Karriere auch schon zweimal in der Liga gehalten. Entsprechend wurde er nach seinem wohl wirklich letzten Spiel als Trainer am Samstag von beiden Seiten gehuldigt. Stevens freute sich nach der anstrengenden Mission nur noch auf Erholung. «Die Familie ist da mit Enkelkindern», sagte er: «Meine Tochter, die schwanger ist. Ich freue mich darauf. Gleich! Und keine Tagungen oder Termine, nix. Erstmal, puh, runterkommen.»

Für den VfB beginnt der Nervendruck dagegen erst richtig. Die Relegation betrachten die Schwaben nach einer völlig verkorksten Saison aber als Geschenk. «Wir müssen dankbar und froh sein, dass wir mit 28 Punkten überhaupt eine Chance haben, über diese zwei Spiele die Liga zu halten», sagte Kapitän Christian Gentner, dessen Zukunft noch offen ist. Und auch Sportchef Thomas Hitzlsperger sieht die Nervenspiele als Bonus an. «Ich bin schon froh, dass wir diese Spiele haben, weil diese Saison nicht so vieles gut war», sagte er: «Wir haben in den letzten Wochen die Kurve gekriegt und uns diese Chance erkämpft und erspielt.»

Auch der 2014er-Weltmeister Ron-Robert Zieler sah das Ganze nüchtern. «Der Druck wird brutal sein. Aber wir haben uns das selbst eingebrockt. Wir sind selbst schuld, also müssen wir jetzt auch dem Druck standhalten», sagte der Torhüter: «Wir wissen, worum es geht. Für den Verein sind das die zwei wichtigsten Spiele überhaupt.»

Hitzlsperger ist nach sieben Punkten aus vier Spielen unter dem jungen Willig – bei Stevens‘ UEFA-Cup-Sieg mit Schalke war dieser gerade 16 – aber wieder optimistisch. «Es gab schwierige Momente, aber aktuell scheint es zu funktionieren», sagte der Ex-Nationalspieler: «Ich habe keine Sorge, dass die Spieler im falschen Modus sind.»

Die vier Wochen unter Willig hätten «die Zuversicht gestärkt», sagte Hitzlsperger: «So wie in den letzten Wochen sollten wir arbeiten, sollten wir trainieren, sollten wir spielen.» Und dann fügte er an: «Wir wissen aber, dass das alles nichts wert ist, wenn wir die nächsten zwei Spiele vergeigen.»

Das wird auch Huub Stevens Nico Willig sicher erklärt haben.

Fotocredits: Rolf Vennenbernd
(dpa)

(dpa)
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