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Mainz, wie es sinkt und klagt: 05er hoffen auf Wende

Mainz/Berlin – Sandro Schwarz ist nicht zu beneiden um seinen Trainerjob beim abstiegsbedrohten Bundesligisten FSV Mainz 05. Als Novize im Haifischbecken Profifußball wünscht man sich eine entspannte Saison, aber nicht eine desaströse Talfahrt bis auf den 16. Tabellenplatz.

Mainz, wie es sinkt und klagt – so hieß es zuletzt gar zur Fasnachtszeit. Zu wenig Punkte, keine Unterstützung von den Fans – und jetzt geht es mit einer miserablen Auswärtsbilanz zum Freitagsspiel (20.30 Uhr) zu Hertha BSC.

Im neuen Vereinsboss Stefan Hofmann und vor allem Rouven Schröder hat Schwarz trotz zuletzt drei Niederlagen noch gewichtige Fürsprecher. «Wir gehen zwar nicht Hand in Hand durch die Kabine. Wir sagen uns schon die Meinung, sind im ständigen Austausch. Deshalb hat er die volle Rückendeckung», sagte der 05-Sport-Vorstand.

Geredet wurde genug, doch dafür gibt es keine Punkte. Schwarz forderte von seinen Profis mehr Selbstkritik. «Der Nullpunkt ist erreicht. Wir können den Bock nur gemeinsam umstoßen», sagte der 39-Jährige nach dem 2:4 am vergangenen Samstag in Hoffenheim. Dazu verhöhnten die Anhänger zuletzt ihre Mannschaft. In einem offenen Brief bat der Krisenclub am Tag danach sein Publikum um Unterstützung – «gerade auch bei Rückschlägen».

«Es gibt Gespräche, um sich besser zu verstehen. Wir sollten an einem Strang ziehen, wir haben doch alle 05 im Herzen», betonte Schröder und erinnerte an vergangene Zeiten als große Familie.

Schwarz ist erst einmal damit beschäftigt, die Defensive zu festigen und haarsträubende individuelle Fehler abzustellen. Gemeinsam mit dem Tabellenletzten 1. FC Köln führen die Mainzer die Hitliste der Gegentore (41) an. Gegen Hoffenheim wurde bereits versucht, die Reihen vielbeinig zu schließen. Resultat: vier Gegentore. Nun soll in Berlin hinten die Null stehen. «Da brauchen wir Stabilität und das richtige Kettenverhalten. Im Training haben wir daran gefeilt», erklärte Schwarz.

Bei der erfolgreichen Verhinderung Berliner Tore fehlt ihm mit dem Franzosen Abdou Diallo (Gelbsperre und Krankheit) ein wichtiger Baustein. Offen ist der Einsatz von Ex-Nationaltorhüter René Adler, den Adduktorenbeschwerden plagen. «Diallos Ausfall können wir kompensieren. Wir haben genug Innenverteidiger», sagte Schwarz.

Noch wichtiger ist für die Mainzer in der Negativphase ein Führungsspieler, doch den suchen die Rheinhessen vergebens – zu viele Leistungsträger sind außer Form. Der erfahrene Adler kann als Torhüter die Rolle nur bedingt ausfüllen. In Frage käme auch der Vize-Weltmeister von 2010, Nigel de Jong. Der Niederländer hat aber noch mit konditionellen Mängeln zu kämpfen und fiel bislang selten groß auf.

Dass die 05er seit einem Jahr oder 17 Spielen ohne Auswärtssieg sind, macht die Aufgabe nicht leichter. Keiner strotzt nach einer so langen Durststrecke und nur einem Sieg in den letzten zehn Partien vor Selbstvertrauen. «Wir müssen uns Erfolgserlebnisse durch Ballgewinne holen. Aber wir dürfen auch den Rucksack nicht überladen. Die Jungs tragen eh schon schwer genug», sagte Schwarz.

Möglicherweise hilft der Griff in die Trickkiste. Auf die frühzeitige Anreise nach Berlin verzichten die Mainzer, um den Heimspielmodus zu simulieren. «Wir fliegen am Spieltag in die Hauptstadt, damit es nicht ein so langer Tag wird»», sagte der FSV-Coach.

Fotocredits: Arne Dedert
(dpa)