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EM 2008 ohne England


„The End“ titelte gestern die „Times“ in England und wird wohl auch auf lange Sicht recht haben, wenn es um die englische Nationalmannschaft geht. Das Mutterland des Fußballs wird die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz nur vor dem Fernseher verfolgen und die Gründe für das Scheitern sind derart vielfältig, dass man ihnen fast ein Buch widmen kann.

Alles begann mit dem Amtsantritt von Steve McLaren, einem biederen Trainer ohne Charisma, dessen einzige Eigenschaft im Anforderungsprofil des Nationaltrainers jene war, das er Brite ist. Kein Spitzenclub der Welt hätte jemals McLaren unter Vertrag genommen und nicht umsonst war er immer der zweite Mann hinter Persönlichkeiten wie Sir Alex Ferguson (ManU-1999) oder Sven Göran Erikson. Zwar verfolgte Deutschland den gleichen Weg, aber hier war schnell die eigene Handschrift von Jogi Löw erkennbar, der eine Philosophie fortführte, an deren Entstehungsphase er einen entscheidenden Anteil hatte.

Die mangelnde Kompetenz von McLaren äußerte sich besonders deutlich, als er im letzten und entscheidenden Spiel der EM-Qualifikation den jungen Scott Carson, der bisher lediglich ein internationales Spiel absolviert hatte, gegenüber Paul Robinson den Vorzug gab. Nicht das jener ohne Fehl und Tadel wäre, schließlich hatte Robinson die Niederlage in Kroatien durch einen Blackout verursacht, aber er konnte immer wieder durch gute Leistungen die passende Antwort geben.

Zudem beging er im Spiel gegen Kroatien den gleichen Fehler wie zu Beginn seiner Amtszeit, indem er David Beckham aus der Startelf verbannte. Erst wollte er mit der Absetzung und Ausbootung des einstigen Kapitäns ein Zeichen für den Neubeginn setzen, aber letztendlich blieb Beckham das einzige Bauernopfer. Schon damals gab die schillerndste Figur des englischen Fußballs die passende Antwort, als er im Trikot von Real Madrid noch einmal auftrumpfte und die spanische Meisterschaft errang. Auch nach seiner Einwechslung war Beckham die treibende Kraft bei der Aufholjagd des englischen Teams und bereitete mit einer genialen Flanke den 2:2 Ausgleich durch Crouch vor.

Ein weiterer negativer Aspekt, den man McLaren ankreiden kann, ihm gelang es nie die beiden besten Mittelfeldspieler der Premier League Steven Gerrard und Frank Lampard in ein sinnvolles System einzuordnen. Die beiden agieren bei ihren Vereinen auf absolutem Weltklasseniveau, stehen sich aber in der englischen Nationalmannschaft nur im Weg.

Die wirkliche immense Verletztenliste trägt der Trainer zwar keine Verantwortung, aber selbst bei Deutschland fiel zwischendurch das gesamte WM-Mittelfeld aus, weshalb die Verletzungen nur bedingt als Hinderungsgründe zulässig sind. Das England schließlich auf ein Team aus Kroatien trifft, das trotz bereits erfolgte Qualifikation für die Europameisterschaft in Wembley über sich hinaus gewachsen ist, war nur der Gipfel der gesamten Misere.

Was von Steve McLaren übrig bleibt, ist der Titel „erfolglosester Trainer der englischen Geschichte“ und jenes Zeitungsbild mit der Unterschrift „Der Trottel mit dem Schirm“, das um die Welt ging. Für den Fußball ist es schade, dass eine große Fußballnation den kontinentalen Meisterschaften fern bleibt.