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Der große Zwist: Adidas und Puma

Der große Zwist: Adidas und Puma

Die Marken Adidas und Puma mit ihren Sportschuhen kennt jeder, der schon einmal gegen einen Ball getreten hat. Aber dahinter steht ein Zwist, der zwei Brüder zu Feinden machte – bis in den Tod.

Bern 1954: Mit einem nie für möglich gehaltenen Sieg im Finale der WM 1954 gegen den haushohen Favoriten Ungarn wird Deutschland Weltmeister. Im strömenden Regen sind die Deutschen zwar fußballtechnisch unterlegen, können aber auf eine andere, ganz neue Technik zurückgreifen: den Fußballschuh mit Schraubstollen.

Neue Standfestigkeit mit neuen Stollen

Zeugwart Adolf („Adi“) Dassler hatte in der Halbzeitpause des Spiels die Stollen der deutschen Spieler ausgetauscht, nachdem der Rasen des Berner Wankdorf-Stadions durch Regenfälle völlig aufgeweicht war. Während die Ungarn weiter mit ihren auf die Sohle genagelten Stollen über das Spielfeld rutschen, legt die Elf um Fritz Walter eine neue Standfestigkeit an den Tag. Und gewinnt das Endspiel durch einen Treffer von Helmut Rahn kurz vor Schluss mit 3:2.

„Das Wunder von Bern“ verschafft Adidas weltweite Aufmerksamkeit – und vertieft den Graben zwischen Adi und seinem Bruder Rudolf Dassler. Dabei sind sie 30 Jahre zuvor noch eine echte Einheit. 1924 gründen beide in Herzogenaurach die „Gebrüder Dassler Schuhfabrik“, mit Schwerpunkt auf der Produktion von Sportschuhen. Bei den Olympischen Sommerspielen in Amsterdam 1928 tragen schon einige deutsche Athleten Dassler-Schuhe.

Der große Durchbruch erfolgt 1936: Bei den Olympischen Spielen in Berlin statten ausgerechnet die beiden NSPAP-Mitglieder Adi und Rudi Dassler den afro-amerikanischen Sprinter Jesse Owens aus, der prompt viermal Gold holt. Sehr zum Unwillen von Adolf Hitler natürlich.

Bruch in der Nachkriegszeit

Als Rudi für dem Krieg eingezogen wird, kann Adi weiter in der Firma arbeiten, die nun Kriegsmaterialen produziert – diese Entwicklung wird heute als Beginn der Streitigkeiten gewertet. In der amerikanischen Kriegsgefangenschaft erfährt Rudi dann, dass er aus seinem engen Umfeld als Nazi denunziert worden sei. Er verdächtigt seinen Bruder, versucht seinerseits, Adolf anzuschwärzen. Schließlich werden die Ermittlungen gegen beide Dasslers eingestellt, aber das Verhältnis der Dasslers ist nicht mehr zu retten.

1948 teilen die Brüder ihr Unternehmen auf. Der eine nennt seine Firma Adidas (eine Kombination von Vor- und Nachnamen) und gibt ihr drei Streifen als Markenzeichen. Der andere gründet Puma. Die Unternehmen liegen in Sichtweite voneinander, nur getrennt durch den Fluss Aurach.

Nach dem WM-Triumph von 1954 geht der Streit weiter. Beide Firmen beanspruchen die Erfindung der Schraubstollen für sich. Jahre später stellt sich heraus, dass weder Adidas noch Puma die Schraubstollen entwickelt haben. Auch die Söhne führen den Konflikt fort: Als Rudis Sohn Armin 1970 den brasilianischen Jahrhundertfußballer Pelé für Puma unter Vertrag nimmt und damit entgegen einer Abmachung der Väter handelt, nimmt Adi-Sohn Horst den Fehdehandschuh auf.

Versöhnung nach über 60 Jahren

Bis zum Tod von Rudi im Jahr 1974 sollen die Gebrüder Dassler kein einziges Wort mehr gewechselt haben. 1978 stirbt auch Adi. In den Achtzigern geraten beide Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage. Nach den Tod beider Gründersöhne (Horst stirbt 1987, Armin 1990) sind die Unternehmen nicht mehr in Familienhand. In den Neunzigern schließlich schaffen die Firmen den Turnaround und gehören heute zu den drei größten Sportartikelherstellern der Welt.

Das Kriegsbeil zwischen Adidas und Puma wird endgültig erst 2009 begraben: Im Rahmen einer publicity-trächtigen Versöhnung spielen Mitarbeiter beider Firmen gegeneinander Fußball. Und reichen sich die Hände – sechs Jahrzehnte nach dem Bruch der Gebrüder Dassler.


Bild: Pixabay, 2537963, aryx 1213