» Fußball EM 2008
Zauberfußball in der Vorrunde, flügellahm und platt im Viertelfinale: Die niederländische Herrlichkeit in Europa dauerte keine zwei Wochen und hat wieder einmal für die vorzeitige Abreise bei einem großen Turnier gesorgt. Drei Spiele lang hatte die “Elftal” nacheinander den Weltmeister Italien, den Vize-Weltmeister Frankreich und Rumänien mit Traumfußball an die Wand gespielt. Mit dem modernen 4-2-3-1-System, “voetbal totaal” - bis die Russen kamen.
Die “Sbornaja“, pikanterweise gecoacht vom Niederländer Guus Hiddink, schlug das Team von Bondscoach Marco van Basten mit einer Mischung aus moderner Taktik (4-1-3-2) und einer einfachen Erfolgsformel: Totale Fitness, im Gegensatz zu den ausgepumpt wirkenden Niederländern, die in der Verlängerung geradezu untergingen.
“Wir haben alles gegeben, was wir konnten”, sagte ein strahlender Andrej Arschawin, der mit dem dritten Tor für die Russen den Oranje-K.o. besiegelte. “Unser Trainer hat vor der Verlängerung gesagt, dass die Holländer jetzt aggressiv zur Sache gehen werden. Es hat sich dann aber herausgestellt, dass ihnen früher als uns die Puste ausging.” Van Basten gestand die körperlichen Probleme ein: “Wir hatten physische Probleme. Meine Spieler hatten einfach keine Kondition mehr.”
Umso erstaunlicher, weil die Stammelf nach dem 4:1-Triumph über Frankreich acht Tage spielfrei hatte. Im letzten Gruppenspiel gegen Rumänien hatte van Basten nur die Reserve aufgeboten worden. Das Team agierte erschreckend flügellahm. Dirk Kuyt war ein Totalausfall, Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart blieben ebenso wirkungslos wie der nach der Pause eingewechselte Robin van Persie.
Die gefährlichsten Situationen entstanden nach Freistößen. Ruud van Nistelrooy verfehlte eine Hereingabe nur um eine Fußspitze (29.), brachte aber mit seinem Kopfball-Tor nach Sneijder-Freistoß seine Elf noch in die Verlängerung (86.). Dann ging bei Oranje gar nichts mehr.
Vor allem Innenverteidiger Andre Oijer und der eingewechselte John Heitinga waren körperlich überhaupt nicht mehr auf der Höhe und waren beim 1:2 durch Dmitri Torbinski (112.) und dem 1:3 durch Arschawin (116.) nur Statisten. “Wir waren dominant und physisch und taktisch überlegen”, analysierte Hiddink. Auch vom späten Ausgleich ließen sich die Russen nicht verunsichern. “Großes Kompliment auch in taktischer Hinsicht an das Team. Normalerweise bist du angeschlagen, wenn du ein so spätes Gegentor bekommst, lobte Hiddink seine “Sbornaja”. Van der Vaart hatte bereits nach den Zauber-Siegen gegen Italien und Frankreich gewarnt: “Das ist alles nichts wert, wenn man im Viertelfinale ausscheidet.” Was damit bewiesen wäre. [...mehr]
Ein wirbelnder Bastian Schweinsteiger und eines neues Spielsystem lassen die deutsche Nationalmannschaft bei der Bergtour 2008 weiter vom Sturm auf den Gipfel träumen. Bisher hatte Bundestrainer Joachim Löw konsequent auf ein 4-4-2-System gesetzt, doch in der Vorrunde waren kreative Defizite nicht zu übersehen. “Nach dem Österreich-Spiel wussten wir, dass es eine Veränderung geben muss. Wir haben da und gegen Kroatien spielerisch nicht so gut ausgesehen”, sagte Löw.
Gegen Portugal wurde das zuletzt ideenlose Team umgekrempelt. Neben Torsten Frings (Rippenbruch) bleiben EM-Chancentod Mario Gomez und Clemens Fritz draußen. Die Deutschen formierten sich im 4-2-3-1-System. Schweinsteiger spielte überragend, schoss ein Tor und und gab zwei Vorlagen. Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes räumten im defensiven Mittelfeld auf. Michael Ballack agierte deutlich offensiver und war neben den Außen Schweinsteiger und Lukas Podolski der große Antreiber hinter der einzigen Spitze Miroslav Klose.
Arne Friedrich löste die Blockbuster-Aufgabe gegen Cristiano Ronaldo bis auf wenige Szenen mit Bravour. Lediglich vor dem ersten Tor der Portugiesen und bei der größten Chance von Ronaldo kurz vor der Halbzeit war Friedrich nicht ganz auf Ballhöhe. Ansonsten konnte der als bester Spieler der Welt gehandelte Ronaldo wenige Akzente setzen.
Die eigentliche Kampfansage an den Rest Europas lieferte unfreiwillig ausgerechnet der sonst so zurückhaltende Hansi Flick. Der 90-Minuten-Bundestrainer sprach aus, was alle anderen fürchten: “Wir haben gezeigt, was Deutschland eigentlich ausmacht - dass wir eine Turniermannschaft sind!”
Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Rolfes, Hitzlsperger (73. Borowski) - Schweinsteiger (83. Fritz), Ballack, Podolski - Klose (89. Jansen)
Portugal: Ricardo - Bosingwa, Ricardo Carvalho, Pepe, Paulo Ferreira - Petit (73. Postiga), Joao Moutinho (31. Meireles) - Deco, Simao, Cristiano Ronaldo - Nuno Gomes (67. Nani)
Tore: 1:0 Schweinsteiger (22.), 2:0 Klose (26.), 2:1 Nuno Gomes (40.), 3:1 Ballack (62.), 3:2 Postiga (78.)
Schiedsrichter: Peter Fröjdfeldt (Schweden)
Zuschauer in Basel: 39.730 (ausverkauft) [...mehr]
Heute ereilte Khalid Boulahrouz von der holländischen Nationalmannschaft ein schwerer Schicksalsschlag mit dem Tod seines neugeborenen Babys. Seine Frau Sabia hatte die kleine Anissa nach nur 22 Wochen Schwangerschaft gestern schon zur Welt gebracht. Der Spieler, die Mannschaft sowie der holländische Fußball-Verband KNVB zeigten sich von der Nachricht geschockt, weshalb die tägliche Pressekonferenz abgesagt wurde. Zwei Tage vor dem entscheidenden Viertelfinale gegen Russland wird man wahrscheinlich auf die Dienste des Verteidigers verzichten, der vermutlich umgehend zu seiner Frau reisen wird, um den tragischen Tod zu verarbeiten. [...mehr]
Hansi Flick rückt für 90 Minuten ins Rampenlicht: Er coacht die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Portugal. Bundestrainer Joachim Löw sitzt gesperrt auf der Tribüne und darf im Stadion keinerlei Kontakt zum Team aufnehmen. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff sagte: “Flick genießt unser 100-prozentiges Vertrauen. Er hat ja schon als Cheftrainer in Hoffenheim gearbeitet und seine Sache auch am Montag gut gemacht.”
Auch Löw hat in den vergangenen Tagen seinen Co-Trainer immer wieder als absolute Vertrauensperson herausgestellt und dessen menschliche und fachliche Qualitäten ausdrücklich gelobt. “Für mich war er immer die erste Wahl als Assistent”, versicherte Löw, der Flick im August 2006 vom österreichischen Verein Red Bull Salzburg zum DFB gelotst hatte.
Seinen Trainerschein erwarb der gelernte Bankkaufmann 2003 und wurde gemeinsam mit Thomas Doll als Jahrgangsbester ausgezeichnet. Flick, der sich als Teamarbeiter sieht, hat den neuen Bundesligisten TSG Hoffenheim vor drei Jahren in die Regionalliga geführt. “Von daher weiß ich, wie das ist, wenn man als Cheftrainer arbeitet”, sagte der frühere Mittelfeldspieler des 1. FC Köln und von Bayern München.
“Am wichtigsten ist ohnehin die Vorbereitung auf das Spiel, und die wird mit Joachim Löw wie immer ablaufen. Außerdem haben wir genug erfahrene Spieler auf dem Platz. Da ist der Einfluss des Trainers sowieso nicht ganz so groß”, erläuterte der 43-Jährige, der vor allem die Routiniers Michael Ballack, Jens Lehmann und Miroslav Klose in die Pflicht nimmt.
Lehmann dachte indes schon weiter: “Ich mache mir ohnehin seit längerem darüber Gedanken, ob der Cheftrainer im modernen Fußball nicht besser auf der Tribüne aufgehoben ist, von wo er einen viel besseren Überblick hat.” Lukas Podolski brachte es auf den Punkt: “Wenn sie Jogi sperren, ist eben Hansi Flick Bundestrainer.” [...mehr]
“Wenn man nicht gegen ihn spielen muss, ist das schön anzusehen.”
Jens Lehmanns zwiespältige Gefühle gegenüber Cristiano Ronaldo vor dem Viertelfinale.
“In der Bundesliga ist er tödlich, aber bei der EM fällt sein Marktwert von Tag zu Tag.”
Spaniens Marca über Mario Gomez’ Torflaute.
“Die Todesgruppe war nur eine Aufwärmgruppe für dieses Oranje.”
Das niederländische Algemeen Dagblad grüßt aus der Hölle.
“Mir fällt es schwer, die Spiele anzuschauen. Ich fühle mich dabei regelrecht psychisch krank.”
Englands David Beckham langweilt sich.
“Ohne Zidane ist Frankreich nicht mehr die furchterregende Mannschaft von Berlin, sondern eine Gruppe berühmter alter Herren unter der Leitung eines verrückten Trainers.”
Wenig altersmilde Analyse der italienischen Tuttosport.
Am heutigen Donnerstag treffen im ersten Viertelfinale die deutsche Nationalmannschaft und Portugal aufeinander. Mit großer Spannung wird dabei die Aufstellung der deutschen Elf erwartet, wo ein dickes Fragezeichen hinter den Akteuren Frings und Podolski steht. Während Frings sich mit einer gebrochenen Rippe herumschleppt, laboriert Podolski an einer Wadenverletzung. Die Portugiesen hingegen können aus dem Vollen schöpfen und mit Bestformation antreten. Hätte man vor dem Turnier noch Deutschland als klaren Favoriten gesehen, hat sich Portugal im Laufe der Europameisterschaft aufgrund ihrer Spielfreude einen kleinen Vorteil erarbeitet.
Deutschland:
Tor: Jens Lehmann
Abwehr: Phillipp Lahm, Christoph Metzelder, Per Mertesacker, Arne Friedrich
Mittelfeld: Torsten Frings, Michael Ballack, Schweinsteiger, Thomas Hitzlsperger, Lukas Podolski
Sturm: Miroslav Klose
Portugal:
Tor: Ricardo
Abwehr: Bosingwa, Pepe, Ricardo Carvalho,Paulo Ferreira
Mittelfeld: Petit, Joao Moutinho, Deco, Cristiano Ronaldo, Simao
Sturm: Nuno Gomes [...mehr]
Seit gestern ist das Viertelfinale bei der Europameisterschaft komplett. Als Überraschungen unter den letzten Acht können ohne Zweifel Kroatien und die Türkei bezeichnet werden, wobei Kroatien souverän als Gruppenerster in die K.O-Runde eingezogen ist. Da beide Teams auch noch gegeneinander spielen, geht für eine Mannschaft der Traum von der Europameisterschaft auf jeden Fall weiter. Große Spannung versprechen aber auch die anderen Duelle, so muss Deutschland bereits heute gegen Portugal ran, zudem treffen Spanien und Italien sowie Russland und die Niederlande aufeinander. Berücksichtig man die Spiele in der Vorrunde, dürften Portugal, die Niederlande und Spanien als die Favoriten gelten, aber zum Glück ist Fußball gerade in den K.O.-Runden einfach unberechenbar. Die Fans freuen sich jedenfalls auf packende Duelle.
Do, 19.06.2008 Portugal – Deutschland
Fr, 20.06.2008 Kroatien – Türkei
Sa, 21.06.2008 Niederlande – Russland
So, 22.06.2008 Spanien - Italien
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Den Skandinaviern hätte ein Unentschieden gereicht, nachdem bereits am vergangenen Samstag klar war, dass sich der EM Sieger 2004, Griechenland, aus dem Turnier verabschiedet. Allerdings war die Mannschaft von Lars Lagerback zu keinem Zeitpunkt in der Lage, das Spiel an sich zu reißen. Die Russen spielten mit hohem Druck und erarbeiteten sich so Chance um Chance. Pawljutschenko war es dann in der 23. Minute, der das verdiente 1:0 für Russland erzielte. In der Folge war das Spiel mehr oder weniger ausgeglichen, zum Ende der ersten Halbzeit konnten auch die Schweden noch mal für sehenswerte Aktionen sorgen. So verpasste Larsson nur knapp das 1:1 nach einem Kopfball - dieser landete nur an der Latte.
Kurz nach Wiederanpfiff war es dann Arschawin (49.), der das 2:0 für Russland erzielte. Wie schon in der ersten Halbzeit vergaben die russischen Spieler anschließend einige hochkarätige Chancen, sodass die Schweden, auch dank Torwart Isaksson, froh sein konnten, nicht noch mehr Tore hinnehmen zu müssen.
Auf schwedischer Seite waren einige Spieler im Vergleich zu den ersten beiden Spielen nicht wieder zu erkennen. Nilsson, in der 80. Minute ausgewechselt gegen Allbäck, hatte vor allem in der Anfangsphase Probleme, Svensson kam nicht richtig ins Spiel und fiel eher durch die Fouls an seinen Gegenspieler aus. Auch der unter Einfluss von Schmerztabletten spielende Ibrahimovic blieb, wohl auch bedingt durch die Verletzung, blass.
Im zweiten Spiel der Gruppe D siegten die Spanier standesgemäß 2:1 gegen Griechenland. [...mehr]
Manager Oliver Bierhoff hat beim Fußball-Hochamt, der täglichen Pressekonferenz des DFB, Respekt vor dem Viertelfinalgegner bekundet: “Wir wissen um die Stärke der Portugiesen, die viele erfahrene Spieler in ihren Reihen haben. Aber auch als Underdog wollen wir das Halbfinale erreichen.”
Noch leisere Töne sind von Bastian Schweinsteiger zu hören: “Die Portugiesen haben bis auf das letzte Match gegen die Schweiz, als sie einige Stammkräfte schonten, überragend gespielt.” Der 23-Jährige hat indes gute Erinnerungen an die Seleccao. Bei der WM 2006 erzielte er zwei Treffer beim 3:1-Erfolg im Spiel um Platz drei.
Schweinsteiger gibt sein Comeback nach der roten Karte gegen Kroatien. “Ich habe einen Fehler gemacht, das weiß ich. Aber jetzt spiele ich wieder. Ich versuche, Schwung ins Spiel zu bringen und der Mannschaft zum Erfolg zu verhelfen”, versprach Schweinsteiger, der bei dieser EM erstmals von Beginn an spielt.
Bangen ist bei Lukas Podolski und Torsten Frings angesagt. Den dreifachen EM-Torschütze Podolski plagt seit dem Österreich-Spiel eine hartnäckige Wadenblessur, doch Bierhoff ist zuversichtlich: “Es hat sich stark verbessert. Wir arbeiten den ganzen Tag daran, dass die Verletzung kuriert wird.” Frings, der sich beim 1:0-Erfolg über den EM-Gastgeber einen Rippenbruch zugezogen hatte, wird heute im Training in Tenero getestet.
Die deutsche Mannschaft wird während des Spiels von Hansi Flick gecoacht. Bundestrainer Joachim Löw ist, nachdem er am Montag im Spiel gegen Österreich auf die Tribüne geschickt wurde, für das Spiel gegen Portugal gesperrt. “Ich muss die Uefa-Entscheidung zur Kenntnis nehmen und möchte sie nicht kommentieren”, sagte Löw, “natürlich bin ich maßlos enttäuscht.” [...mehr]
Die Disziplinarkommission der Uefa hat Bundestrainer Joachim Löw für ein Spiel gesperrt. Das Viertelfinale gegen Portugal am Donnerstag muss Löw von oben verfolgen. Löw war am Montag im Spiel gegen Österreich von Schiedsrichter Mejuto Gonzalez wie sein österreichischer Kollege Josef Hickersberger auf die Tribüne verwiesen worden.
Die Mannschaft muss nun von Löws Assistenten Hansi Flick gecoacht werden. Dagegen vorzugehen ist nicht möglich: Bei einem Spiel Sperre besteht laut Uefa keine Möglichkeit, in Berufung zu gehen.
Umstritten ist der Anlass: Den vierten Mann drängte es offensichtlich ins Rampenlicht. Der Slowene gängelte Löw und den österreichischen Trainer Josef Hickersberger permanant, obwohl beide etwas hitzig, aber regelkonform in der Coachingzone agierten. Schiedsrichter Manuel Gonzales rannte plötzlich zur Seitenlinie und schickte beide Trainer auf die Tribüne - ein einmaliger Vorgang in der Turniergeschichte.
Noch nie mussten beide Trainer in einem EM-Spiel die Trainerbank verlassen. Löw klatschte sich mit Hickersberger ab, beide schüttelten verwundert den Kopf. Auf der Suche nach einem freien Platz kam ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel entgegen, ebenfalls irritiert. “Ich habe sie begrüßt, und sie wollte von mir wissen, was passiert ist”, sagte Löw. “Aber ich konnte ihr keine Antwort geben, ich wusste es selbst nicht so genau.” [...mehr]







