» Fußball EM 2008

Unser Gegner für das Finale am Sonntag in Wien heißt Spanien. Die Spieler von Trainer Luis Aragonés bezwangen die Russen klar mit 3:0. Vom russische Angriff war dabei über 90 Minuten kaum etwas zu sehen, ihr Superstar Arshavin wurde gekonnt durch den Spanier Senna außer Gefecht gesetzt.
Bereits in der Gruppenphase waren die Spanier die Sieger - damals trafen sie in ihrem ersten Gruppenspiel auf die Russen, die sie in Innsbruck mit 4:1 abfertigten. David Villa traf bei diesem Spiel gleich dreimal ins gegnerische Tor; heute wurde er bereits nach 34 Minuten aufgrund einer Verletzung durch den jungen Fabregas ersetzt. Wie schwer die Verletzung ist, die er sich vermutlich nach einem Freistoß zuzog, ist momentan noch unklar. [...mehr]
Mit der Aufstellung vom Viertelfinale gegen Portugal gespielt wie gegen Kroatien: Mit einer schwachen, aber effizienten Leistung hat Deutschland die Türkei 3:2 (1:1) besiegt. Mit einem türkischen Tor - so könnte man Last-Minute-Tore seit dieser EM nennen - zum 3:2 in der 90. Minute schoss Philipp Lahm die Deutschen ins Finale.
Ugur Boral hatte die Türken in der 22. Minute in Führung geschossen, Schweinsteiger glich auf Vorlage von Lukas Podolski aus (26.). In der 79. Minute erzielte Miroslav Klose nach schöner Vorlage von Philipp Lahm per Kopf das 2:1 für Deutschland. Doch die Türken kamen auch im Halbfinale noch einmal zurück und erzielten nach einem Fehler von Lahm durch Semih Sentürk den Ausgleich (86.).
Das Team von Bundestrainer Joachim Löw spielte ohne Konzentration, ohne Druck und ohne Ideen. Die Deutschen agierten nicht als Team. Es mangelte an Laufbereitschaft, wie es in der Sprache des Fußballs so schön heißt. “Es gab bei uns viele Defizite. Wir haben drei Meter vom Mann weggestanden, Pressen und Forechecking haben nicht stattgefunden”, analysierte Miroslav Klose.
Umso besser spielten die Türken, ein Blick in die Statistik ist beim Fußball mitunter paradox, außer in der Kategorie Tore lagen die Türken überall vorn: Die offizielle Auswertung der Uefa weist 54 zu 46 Prozent Ballbesitz für die Türkei aus, 20:9 Torschüsse und 11:3 „shots on target“. Genau diese drei Torschüsse der Deutschen waren allerdings auch drin.
Was gegen Portugal mit dem 4-2-3-1 wie am Schnürchen lief, klappte gegen die von Fatih Terim glänzend eingestellte Türkei überhaupt nicht. Mehmet Aurelio nahm Michael Ballack völlig aus dem Spiel, so dass strukturierte Offensivaktionen Seltenheitswert hatten. Ganz schwach agierte die Abwehr, Jens Lehmann war sah bei beiden Gegentreffern unglücklich aus, Christoph Metzelder bot eine unterirdische Leistung und steckt mit seiner Unsicherheit Per Mertesacker an, Arne Friedrich spielte halbwegs solide, aber längst nicht so souverän wie gegen Portugal. Lahm leistete sich viele Ballverluste, ließ sich dazu vor dem 2:2 ausspielen wie ein Kreisklassenkicker. Aber sein Tor zum 3:2 machte alles Negative wett. Lahm wurde zum “man of the match” gewählt.
“Es war ein Wahnsinnskampf, auf Biegen und Brechen. Es war unglaublich spannend bis zur allerletzten Sekunde. Ich bin natürlich überglücklich”, sagte Löw nach dem Spiel und lobte den Gegner: “Die Türken haben eine fantastische Leistung gezeigt, und zwar über das ganze Turnier.” Der türkische Trainer Terim sagte: “Ich bin sehr traurig, wir waren so nah dran am Finale. Wir haben dem türkischen Volk viel gegeben. Ich habe ein Team mit viel Moral gesehen.” [...mehr]
Mit dem gestrigen Spiel der deutschen Nationalmannschaft verabschiedete sich die Schweiz von der diesjährigen Europameisterschaft. Das Spiel im Basler Ernst-Happel-Stadion war ein furioser Abschluss der Feierlichkeiten und bewies zu Recht, dass die Schweiz ein würdiger Gastgeber war. Wer in Basel nicht zu Hause auf der Couch lag und sich Essen online bestellte, pilgerte zum letzen Mal auf die Fanmeile. Über 100.000 Menschen aller Nationen feierten gestern den Schweizer Abschied in Basel und selbst als kurzzeitig keine Fernsehbilder existierten, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. [...mehr]
Heute um 20:45 Uhr steigt das erste Halbfinale der EM zwischen Deutschland und der Türkei. Was auffällt, sind die größtenteils moderaten Töne in den Medien. Einzig die türkische Posta möchte die deutschen Spieler zerquetscht sehen. Das friedliche Bild spiegelt sich auch auf den Straßen Berlins, zahlreiche Autos sind mit der türkischen und der deutschen Fahne geschmückt. Auf der großen Fanmeile am Brandenburger Tor werden bis zu 500.000 Fans erwartet. www.fussballboom.de hat in den türkischen Zeitungen geblättert:
Hürriyet: “Brüderlichkeit über alles (…) Unsere Mannschaft spielt heute Abend in der Europameisterschaft gegen den großen Favoriten Deutschland. Wir halten den Atem an, wir erwarten den Erfolg. Aber unabhängig vom Ausgang des Spiels soll Brüderlichkeit der Gewinner sein.”
Posta: “Die Türkei erwartet einen Sieg von der Nationalmannschaft. Los Jungs. Ihr seid für den heutigen Tag geboren worden. Ihr seid stark genug, um die Deutschen zu zerquetschen.”
Vatan: “Gewinnt das Spiel und geht in die Geschichte ein.”
Zaman: “Die Deutschen sind gut, die Türken haben das Herz.”
Milliyet: “Ihr habt mit Kroatien ein Wunder geschafft und nun spielt ihr gegen Deutschland. Auf Sieg oder Niederlage kommt es nicht an. Ihr habt uns schon stolz und glücklich gemacht.”
Fanatik: “Ihr habt im türkischen Fußball eine goldene Seite aufgeschlagen. Nun haben wir noch einen weiteren Wunsch: das Finale.”
Sabah: “Seid Realisten, aber wollt das Unmögliche. (…) Die verrückten Türken werden versuchen, die letzte Hürde zu nehmen und Finalist zu werden.” [...mehr]
Die zweite Ära von Josef Hickersberger als Trainer der österreichischen Nationalelf ist Geschichte. Der 60-Jährige gab am Montag seinen Rücktritt bekannt. Der ÖFB zeigte sich überrascht von der Entscheidung des Trainers, denn ursprünglich wollte Hickersberger bis zur WM in Südafrika weitermachen. Österreich verlor das entscheidende Spiel um den Einzug in das Viertelfinale gegen Deutschland 0:1.
Als heißer Kandidat gilt der bisherige Assistent und ehemalige Bundesliga-Profi Andreas Herzog. Eine schnelle Lösung ist denkbar, denn die Zeit drängt. Bereits am 20. August bestreitet Österreich in Nizza gegen Weltmeister Italien ein Testspiel. Am 6. September beginnt für Österreich mit dem Heimspiel gegen Frankreich die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika.
Hickersbeger sagte der Tageszeitung Der Standard: “Ich höre auf. Ich bin leer und müde, ich brauche eine Auszeit, muss die Batterien aufladen. Das Kapitel ist abgeschlossen, die Mission wurde erfüllt. Ich habe mir das wirklich reiflich überlegt.” [...mehr]
Beim Halbfinale gegen die deutsche Mannschaft hat die Türkei eine erhebliche Bürde zu tragen. Gerade einmal 14 Spieler stehen Trainer Fatih Terim für das Halbfinale zu Verfügung. Grund hierfür sind eine Reihe von Sperren und Verletzung, von denen das deutsche Team zum Glück verschont blieb. Aber umso höher ist die Leistung der türkischen Mannschaft einzuschätzen und auch jene elf Spieler am kommenden Mittwoch werden alles geben, um erfolgreich zu sein.
Es fehlen: Volkan (Rotsperre), Arda (Gelbsperre), Emre Asik (Gelbsperre), Tuncay (Gelbsperre), Emre Belözoglu (Wadenverletzung), Emre Güngör (Muskelfaserriss), Nihat (Leistenverletzung), Servet (Innenbanddehnung) [...mehr]
Es gab wohl kaum Experten, die diese Partie im Vorfeld der Europameisterschaft vorhergesagt haben. War es bei Deutschland die spielerische Klasse, die sie ins Halbfinale der Europameisterschaft gebracht hat, war es bei den Türken die unbedingte Wille und die unvergleichliche Kampfkraft. Allein vier Tore der Türkei fielen in den letzten zehn Minuten der Spiele – diese bittere Erfahrung mussten schon die Schweiz, Tschechien und Kroatien machen. [...mehr]
Wenn man die letzten beiden Spiele der russischen Nationalmannschaft gesehen hat, wird man verstehen, warum sie den Einsatz von Andrey Arshavin regelrecht herbeigesehnt haben. Für seine beiden Auftritte gegen Schweden und die Niederlande erhielt er einen Notendurchschnitt von 1,25, schoss zwei Tore und war auch sonst kaum zu bremsen. Trotz seines jungenhaften Gesichtes ist der Stürmer mittlerweile 27 Jahre und hat jüngst geäußert, dass wenn er nicht jetzt wechseln würde, wohl immer bei Zenit St. Petersburg spielen wird.
Dort spielt Andrey Arshavin seit seiner Jugend, absolvierte 217 Ligaspiele und schoss dabei 47 Tore. In Russland schon länger ein Star brachte er sich den Scouts der europäischen Spitzenvereine beim diesjährigen UEFA-Cup nachhaltig in Erinnerung. Bayer Leverkusen wurde derart von seiner Dynamik und Torgefahr überrascht, dass Zenit einen 4:1-Auswärtssieg einfahren und somit die Grundlage für den Gewinn des Cups legen konnte. [...mehr]
120 Minuten ohne Tor, das EM-Viertelfinale zwischen Spanien und Italien wurde erst im Elfmeterschießen spannend. Die Iberer besiegten den Weltmeister 4:2 (0:0/0:0). Spaniens Keeper Iker Casillas parierte zwei Schüsse und wurde zum Helden. Im Halbfinale am Donnerstag trifft Spanien auf Russland, das gegen die Niederlande 3:1 gewann. Bereits am Mittwoch spielt Deutschland gegen die Türkei.
Die Partie in Wien begann äußerst zäh, was vor allem an der Spielweise der Italiener lag. Die Mannschaft von Trainer Roberto Donadoni beschränkte sich zunächst auf das Verhindern von Toren. Den Spaniern gelang es nicht, ihren gefürchteten Angriffswirbel zu entfachen. Die italienische Defensive machte die Bemühungen von David Villa und Fernando Torres durch taktische Disziplin und körperliche Überlegenheit zunichte. Die “Squadra Azzurra” war in der Offensive harmlos, es fehlten die Dirigenten: Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso saßen wegen einer Gelbsperre auf der Tribüne.
Im Elfmeterschießen zeigten Spaniens Keeper Casillas und Italiens Torwart Gianluigi Buffon , warum sie zu den besten der Welt gehören: Buffon parierte gegen Daniel Guiza, doch das dürfte dem Turiner ziemlich egal gewesen sein. Denn Casillas entschärfte die Elfmeter von Daniele de Rossi und Antonio Di Natale. Der Einzug ins Halbfinale ist selbst für den erfolgsverwöhnten Keeper von Real Madrid ein besonderer Triumph - seit 1984 ist Spanien bei einer EM nicht mehr so weit gekommen. Doch Casillas zeigte sich wenig euphorisch, mahnte vielmehr: “Russland wird ein starker Gegner, es steht eine schwere Aufgabe bevor. Wir müssen uns noch steigern.” [...mehr]
Alle Räder stehen still, wenn Deutschland gegen die Türkei spielt. Daimler-Boss Dieter Zetsche gibt seiner Belegschaft für das EM-Halbfinale am Mittwoch fußballfrei, berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Das deutsch-türkische Halbfinale hat in den Mercedes-Werken große Bedeutung, denn die Türken stellen eine sehr starke Fraktion in der Belegschaft. Der Vorstandsvorsitzende Zetsche kam übrigens am 5. Mai 1953 in Istanbul zur Welt. Sein Vater betreute damals als Bauingenieur ein Staudamm-Projekt bei Ankara. Die Familie kehrte 1955 nach Deutschland zurück.
Hoffentlich klappt es am Mittwoch mit dem Text: Das Schweizer Fernsehen SF2 blendete bei der Übertragung des Spiels Österreich gegen Deutschland im Teletext die von den Nationalsozialisten missbrauchte erste Strophe (”Deutschland, Deutschland über alles”) ein. Die deutsche Nationalhymne besteht seit 1991 offiziell aus der dritten Strophe (”Einigkeit und Recht und Freiheit”) des Deutschlandliedes. Der Sender entschuldigte sich für den Fauxpas. Zwei junge Mitarbeiterinnen, die die Untertitel schreiben, hätten den falschen Text aus dem Internet kopiert.
Ein Rentner ist in Lauingen (Landkreis Dillingen) mit seinem Traktor unfreiwillig in einen Autokorso türkischer Fußballfans geraten. Wie die Polizei in Dillingen mitteilte, hatte sich der frühere Landwirt am Freitag auf dem Nachhauseweg von einem Recyclinghof mit seinem Traktor verfahren. Familienangehörige meldeten den Mann am Abend als vermisst. Daraufhin starteten die Beamten eine Suchaktion und fanden den Vermissten inmitten jubelnder türkischer Fans. Die Beamten verständigten die Angehörigen, die den 75-Jährigen samt Traktor sicher nach Hause geleiteten. [...mehr]








